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Santon war stolz auf seinen Posten als Wächter ihrer kaiserlichen Majestät hier am Grenzpass zu diesem barbarischen Pack, das immer noch nicht deren Eigenschaft als rechtmäßige Herrscherin der Welt begriffen hatte. Ihre Legionen würde es ihnen noch einschärfen eines nicht allzu fernen Tages, dessen war sich Santon gewiss. Und er hatte es sogar schon zum Truppführer geschafft, hier am wichtigsten Durchgangsposten hoch über den Dächern seiner Heimatstadt Orenaja. Seine Eltern waren mit Recht stolz auf ihn. Ohne jede Spur von Adel in seinem Stammbaum und ohne Beziehungen zu zumindest vor Ort mächtigen Kreisen hatte er es so weit geschafft. Eine echte Seltenheit. Seine Leute fertigten gerade Reisende in beiden Richtungen ab, nachdem sie in den vergangenen beiden Tagen weiter unten kontrolliert hatten, dass niemand ´vom Weg zum kaiserlichen Zoll abkam´, wie er es immer für sich nannte.
Ein Bote kam von unten im Galopp auf der Kaiserstraße angeritten. Sein Pferd schnaufte merklich durch die Anstengung infolge des steilen Anstiegs hier zum Grenzpass. Santon hatte ihn schon vor einer halben Stunde das erste mal als kleinen Punkt unten im Tal erspäht, doch es dauerte lange, bis ein Reisender von dort über die vielen Windungen der Straße den Pass erreichte. Auch waren viele
Fuhrwerke unterwegs und immer wieder musste sich der Bote zwischen diesen und einem teilweise steilen Abhang hindurchquetschen, obwohl die Straße stellenweise nur wenig breiter als die Fuhrwerke war. Schließlich kam der Bote am Grenzpass an und salutierte vor Santon. Santon, noch relativ frisch befördert, genoss den Respekt, den alle vor kaiserlichen Truppführern zeigten und grüßte stramm zurück mit dem traditionellen Gruß kaiserlicher Krieger. Der Bote überreichte ihm eine Schriftrolle mit Anweisungen, salutierte erneut und auf ein kleines erlaubendes Zeichen Santons hin entfernte er sich zu einem kleinen Ruheplatz, um sich nach dem anstrengenden Aufstieg einen Schluck Wasser zu gönnen.
Santon entrollte die Schriftrolle. Unglaublich. Eine Sklavin war mit Hilfe eines Wächters der Palastgarde aus der statthalterlichen Residenz entflohen. Und zum Dank für dessen Mithilfe hatte sie diesen gleich vor den Toren der Stadt mit mehreren Messerstichen um die Ecke gebracht. Man hatte ihn vor der Stadt mit Wunden im Bauch, im Herzen, im Hals und an mehreren Stellen seiner Arme und Beine gefunden. Der Befehl enthielt eine Beschreibung der Frau und eine Anordnung ihrer sofortigen Festnahme. Santon schaute auf. In der Tat erforderten die Befehle seine erhöhte Aufmerksamkeit. Die Ergreifung dieser flüchtigen Sklavin, die einen Palastwächter erst bestochen und dann getötet hatte, würde seinen Karrierechancen in der kaiserlichen Grenzlegion sehr gut tun. Entschlossen rollte er die
Schriftrolle wieder zu und ging zu seinen Kriegern, die gerade ein jüngeres Händlerpaar in Richtung Ausland abgefertigt hatten, deren Fuhrwerk nun gemächlich in das feindliche Nachbarland hineinrollte. Er würde seine Leute anspornen, ab sofort jeden noch so kleinen Winkel jedes Fuhrwerks zu durchsuchen und alle Frauen, auf die die Beschreibung so einigermaßen passte, genauestens unter
die Lupe nehmen. Er hätte sich mit Sicherheit sehr geärgert, wenn er gewusst hätte, wer da gerade als letztes abgefertigt durch seine Männer in die unerreichbaren Regionen jenseits des Machtbereichs seiner Kaiserin rollte. Bald würden Lordan und Irana wieder zu Hause sein.




