29.12.2004
Niederamt Tabloid
Kantonsratswahlen Transsexuelle Sandra
Infanger reicht dagegen Beschwerde ein.
Sandra Lia Infanger darf nicht als Frau auf der Juso-Liste für die Kantonsratswahlen vom Februar 2005 kandidieren. Die Transsexuelle aus Zuchwil hat gegen diese Verfügung des Oberamtes Bucheggberg-Wasseramt Beschwerde eingereicht.Sandra Lia Infanger wurde am 13. April 1980 geboren – als Adrian Thomas Infanger. Den Frauennamen hat sie vor zweieinhalb Jahren angenommen, genau am 13. April 2002. Im Frühsommer 2005 – der genaue Termin steht noch nicht fest – wird sie sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. Bis dahin gilt sie aber noch als Mann, wie das Oberamt Bucheggberg-Wasseramt am 23. Dezember in einer Verfügung festgehalten hat: Sandra Lia Infanger darf nicht mit ihrem Frauennamen auf der Juso-Liste für die Kantonsratswahlen vom 27. Februar kandidieren. Die Begründung: Die Transsexuelle ist im Einwohnerregister ihrer Wohngemeinde Zuchwil immer noch mit ihrem alten, männlichen Namen eingetragen – und der Name auf der Wahlliste muss mit demjenigen im Register übereinstimmen. Ein Entscheid, den Sandra Lia Infanger nicht akzeptiert: Sie hat gestern beim Verwaltungsgericht gegen den Oberamt-Entscheid Beschwerde eingereicht.
präzedenzfall im kanton zürich
Die 24-Jährige stützt sich dabei hauptsächlich auf ein Präzedenz-Urteil aus dem Kanton Zürich: «Dort hat der Regierungsrat im Fall einer Nationalratskandidatin beschlossen, dass sie mit ihrem Frauennamen antreten kann», sagte Sandra Lia Infanger auf Anfrage. Die Transsexuelle wollte sich kurz danach einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. «Die Zürcher Regierung hat deshalb entschieden, dass es eine unverhältnismässige Einschränkung des passiven Wahlrechts wäre, wenn die Kandidatin unter dem alten, längst nicht mehr verwendeten Namen antreten müsste», so Infanger weiter. Und: «Bei meiner Kandidatur ist der Sachverhalt der gleiche.» Sie ist deshalb fest davon überzeugt, dass das Solothurner Verwaltungsgericht das Urteil des Oberamtes umstossen wird.
«Unfreiwilliges Outing»
«Im Kanton Solothurn kennt mich kaum jemand unter meinem alten Namen. Es wäre also eher eine Art Betrug an den Wählerinnen und Wählern, wenn ich als Mann antreten würde», versucht Sandra Lia Infanger die Argumentation des Oberamtes umzukehren. Für sie verstösst das Vorgehen der Behörden aber auch gegen die Europäische Menschenrechtskonvention: «Die Behörde zwingt mich zu einem unfreiwilligen Outing, dadurch wird der Persönlichkeitsschutz verletzt.» Die Öffentlichkeit würde erst durch die erzwungene Namensänderung erfahren, dass sie vorher ein Mann gewesen sei. «Das ist etwas anderes, als wenn ich mich persönlich oute», so Infanger.politisch bisher überall glücklos
Den gleichen Vorwurf macht sie auch den Jusos des Kantons Solothurn. «Sandra Infanger wurde als Mann geboren und lebt zurzeit als Transsexuelle», haben die Jungsozialisten in einer Medienmitteilung vom Sonntag ohne Rücksprache mit der Betroffenen geschrieben. «Dadurch hat die Partei mein schützenswertes Privatleben missachtet. Das kann ich nicht tolerieren», sagt Sandra Lia Infanger. Welche Konsequenzen sie daraus ziehen will, konnte sie aber gestern noch nicht sagen. Das neue Geschlecht hat Sandra Lia Infanger in ihrer noch kurzen politischen Karriere wenig Glück gebracht. In ihrer früheren Wohngemeinde Selzach ist sie im letzten Sommer aus Protest aus dem Vorstand der Orts-SP ausgetreten. Auch dort durfte sie als Transsexuelle nicht mit ihrem Frauennamen für den Gemeinderat kandidieren.



















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