Nun, ja, wer das Buch kennt, weiß, es geht so weiter:
“Die Fragen aller Fragen auf das Leben, das Universum und den Rest, auf die die Antwort 42 lautet, ist… “
Da die Frage ja nur ganz am ende kommt, und mit der lustigen Frage endet, neun mal sechs gleich… , stell ich nun ne andere Frage, worauf die Antwort durchaus nicht 42 sein muss.
Wie ihr ja alle Wisst, wurde ich ja bei Mc Donalds Deutschland gekündigt, vorallem, weil Zitat: “wir 900h sparen müssen”. Wohl war, es war ja überhaupt nichts los. Toter als Tot.
Schon ein Tag nach meiner Kündigung hatte ich mich um eine neue Stelle umgesehen, und sogleich eine gefunden. (Ach ja, hab ich schon erwähnt, dass ich in Deutschland Ausländerin bin, zudem Transsexuell und meine Qualifikation eher aus meinem großen Mund denn aus all zu vielen Zeugnissen besteht?)
Nein, Deutschland hat nur vier Millionen Arbeitslose, also ganz viel Potenzial, da ist so jemand wie ich, die gerade mal 26 ist, und quasi frisch aus dem Ei geschlüpft ist, sicher nicht die bestqualifizierte Person auf dem Arbeitsmarkt. Mag ja sein, dass ich dies und dass kann, und dass ich’s ein paar Tage Monate Jahre bei Mc Donalds ausgehalten habe, aber dennoch erstaunt es mich, wie einfach es ist, ne Arbeit zu finden.
Selbst in der Schweiz, ein Land das gerade mal ein Bruchteil der Arbeitslosen von Deutschland hat, und in dem im vergleich zu Deutschland geradezu Vollbeschäftigung herrscht, war es für mich erheblich schwerer, an eine Arbeitsstelle zu kommen. Klar, die Schweizer, als oberkonservatives Land wo man als Transsexuelle es sehr schwer hat, stellt die gleichen natürlich, wenn überhaupt, gar nicht ein.
Nun, egal, irgendwie ist der Deutsche Arbeitsmarkt gegenüber Geschöpfen wie mir einfach offener. (Nur, frag ich mich, warum dass andere so lange brauchen, um ne Arbeit zu finden.)
Jedenfalls wollte ich euch gerne mal von meinem neuen Traum Job erzählen. Ich arbeite für eine Telefonmarketingfirma. (Hurra, der Wald ist grün!) Also nicht so mein Traum von einer Arbeit. Zum einen mag ich’s selbst nicht, wenn irgendwelche wildfremden dahergekommenen Firmen anrufen, und zu glauben wissen, was alles wunderbares denn in meinem Leben schon immer gefehlt hat, und zum anderen bin ich halt im Verkauf (nein, ich meine RL Verkauf) und der Gastronomie zu hause.
Die Stelle rechtfertigt sich für mich aus dreierlei Gründen:
- Wir rufen keine Privatpersonen an
- Wir beschäftigen mit dem, was wir verkaufen, Blinde Menschen in der Schweiz
- Man verdient sich eine Goldene Nase damit
Auf das erste Argument geh ich gar nicht weiter ein, es ist klar, und leuchtet allen ein, dass Firmen anzurufen erheblich einfacher ist, als Privatpersonen.
Wir beschäftigen Blinde Leute, da wir ausschließlich und nur für die Blindenwerkstätten in der Schweiz verkaufen. Wir vertreiben sozusagen die Produkte, die diese Blinden Menschen in (zum größten Teil) Handarbeit anfertigen. Vorallem also Besenwaren (Ein klassischer Blindenberuf: Besenbinder) und Webwaren. Wir rufen also quasi von Berlin aus in die Schweiz an, um Schweizer Ware in der Schweiz zu verkaufen. Das macht durchaus Sinn, zum einen sind die Mieten in Berlin um ca. 70% billiger, als in der Schweiz, zum anderen muss der Arbeitgeber hier nicht die gleichen Löhne zahlen und zum dritten können bereits vorhandene Strukturen genutzt werden, da wir eine enge Zusammenarbeit mit den Deutschen Blindenwerken haben.
So, man kann also durchaus eine Soziale Ader hier sehen. Auch wenn es durchaus andere Vertriebsformen gibt, als das Telefon.
Man verdient sich eine Goldene Nase damit: Und das macht die Sache etwas Brisant. Eigentlich finde ich, sollte das Geld zu den Blinden Menschen fließen. Das tut es mit Sicherheit auch. Die Marche ist etwa gleich wie in allen Verkaufsbranchen. Dennoch verdient man hier ziemlich leicht Geld.
Jedenfalls, wenn man viel Verkaufen kann.
Nun, der Chef will mich über den Sommer hier behalten, weil er der Meinung ist, dass ich sehr gut Qualifiziert bin, und die Sache gut angehe. Und offenbar stimmen auch die Zahlen einigermaßen.
Jedenfalls hat er mir nun angeboten, mir mehr (SIC) zu zahlen, als Mc Donalds Schweiz mir in der gleichen Zeit zahlen würde.
Nur so als Info: Das bedeutet, dass ich für Deutsche Verhältnisse ein gutes Beamtengehalt bekommen würde.
Dieses Angebot ist absolut verlockend, da ich diesen Betrag schon im Voraus bezahlt bekomme, und es egal ist, wie viele Abschlüsse ich mache. Aber, ich habe meiner Chefin versprochen, dass ich komme. Meine Chefin hat auch schon die Dienstpläne geschrieben, und mich geplant.
Und hier kommt mein Problem:
Was soll ich nur tun?
Die Argumentationsbasis:
Eigentlich will ich ja nicht unbedingt in die Schweiz fahren, schon gar nicht für ganze zwei Monate. Ich liebe Berlin, es ist meine Stadt, es ist mein zu hause und mein Wohnort, auch wenn ich in der Schweiz noch ne klitzekleine Wurzel hab.
Ich habe jedoch Sabrina versprochen, dass ich komme, und sie hat mich eingeplant, und rechnet so mit mir. Ich bin ein treuer und ehrlicher Mensch, weshalb ich mich von Hause aus an dieses Versprechen halten muss.
Gegenargumentation:
Was hat Mc Donalds Schweiz für mich getan, außer mir eine Arbeit gegeben? Und wenn ich in Not bin, hilft mir Mc Donalds? Nein! Also, was nun?
Ich brauche echt eure Hilfe, da ich einen extremen Gewissenskonflikt habe.
Zumal ich eigentlich nur ungern in ne WG einziehe, und dann zwei Monate lang so gut wie nie da bin.
Es spricht viel für Berlin, und nur mein Gewissen für die Schweiz, und das Interesse, die Crew mal wieder zu sehen, doch für das bräuchte ich ja bestimmt keine zwei Monate.
Klar ist nur, wenn das mit der WG aus irgend einem Grund nicht klappt, dann geh ich mit Sicherheit in die Schweiz, schon allein nur, damit ich die Baustelle hier ein wenig verlassen kann.



















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Flupp sagt:
Jul 01, 2006, 12:29, @478Du wirst den neuen Job bald hassen. Leute anzurufen, ihnen etwas zu verkaufen und die ganze Zeit den Gedanken “ohne Verkaeufe keine Provisionen” im Kopf wird Dich bald umbringen. Gerade in der Sommerzeit wirst Du 124837498734 Telefonate machen muessen, um einen Auftrag reinzuholen und das ist schlicht der Horror. Ohne gutes soziales Netz, in dem Du Dich erholen kannst, wirst Du noch viel mehr leiden.
Ich wuerde es nicht wollen. Aber ich bin nich Du ;-)
Sandra-Lia sagt:
Jul 01, 2006, 12:31, @480da könntest du verdammt recht haben
Oliver sagt:
Jul 01, 2006, 13:26, @518Hallo Sandra,
was glaubst du wohl, warum es so leicht möglich ist, bei der hohen Arbeitslosigkeit in D SOLCHE Jobs zu bekommen ? Nicht einmal die Arbeitsämter vermitteln diese Telefon-Akquise-Jobs.
Ein Abschluss kommt ja bei dieser Art des Verkaufs nicht dadurch zustande, dass das verkaufte Produkt überzeugt, sondern immer nur dadurch, dass der Angerufene überrumpelt wird. Es geht einfach nur darum, möglichst viele Abschlüsse am Telefon zu machen – und das zu fast 100% mit Kunden, die dieses Produkt am freien Markt gar nicht kaufen würden.
Zum hohen Gehalt: Ist das garantiert ? Oder ist es zum Teil erfolgsabhängig ? So oder so, wenn du die geforderten Abschlüsse nicht machst, dann bist du ganz schnell draussen und der nächste Glücksritter macht den Job.
Hinzu kommt, das sogenannte “kalte” Anrufe in D verboten sind. Die Firmen reden sich immer damit heraus, dass sie angeblich nur Listen von Kunden verwenden, die angeblich irgendwann mal ihre Zustimmung gegeben haben – was natürlich totaler Blödsinn ist. Gehäuft bekomme ich kalte Anrufe aus Deutschland (hauptsächlich irgendwelche blöden Klassenlotterien) auf mein SCHWEIZER FIRMENHANDY ! – und dafür habe ich sicher niemals die Einwilligung gegeben, mich anzurufen.
Alles in allem ein harter Job, aus dem die meisten entweder rechtzeitig den Absprung schaffen oder daran kaputtgehen. Nicht umsonst ist das Internet voll mit Foren von Geschädigten (ehemaligen Mitarbeitern).
Falls du es machst, dann wünsche ich dir natürlich viel Glück.
Gruss
Oliver
M. sagt:
Jul 01, 2006, 13:46, @531Pacta sunt servanda. Fertig.
Sandra sagt:
Jul 01, 2006, 14:18, @554Oliver:
Nun, der kleine Unterschied zum Vertrieb in der Schweiz ist, dass wir da sehr wohl alle (ausser die mit Stern) anrufen dürfen. (letzeres sehe ich allerdings nicht).
Der Lohn wäre zumindestens für diese zwei Monate garantiert.
Das man die Produkte auf dem Freien Markt nicht verkaufen kann, glaub ich nicht. Denn es gibt auch Blindenwerkstätten, die es so machen. Zudem arbeiten wir mit dem Blindenbund und den Werkstätten in Alschwil zusammen (beises keine unbekannten grössen)
(und zumindest die Zusammenarbeit mit dem Blindenbund ist geprüft)
Nun, wir werden sehn, die Welt wird nicht untergehen
Holger Ehrlich sagt:
Jul 01, 2006, 19:18, @762Für die Firma wärest Du ein Glücksfall, und ich denke, das wissen die auch. Denn ich habe kürzlich eine Firma in der Schweiz angerufen und doch arge Verständigungsprobleme gehabt, selbst nachdem die Dame am anderen Ende “Hochdeutsch” sprach.
Und da ist es dann doch wirklich gut, wenn man eine muttersprachliche Schweizerin anwerben kann.
Der Job ist sicherlich sehr anstrengend und nur für Leute mit einer hohen Frustrationstoleranz geeignet. Aber einen Versuch fände ich es Wert. Zumal Du da nicht nur gut Geld verdienen, sondern auch noch Blinden helfen kannst…
Sandra-Lia sagt:
Jul 01, 2006, 20:10, @799Deswegen.. Naja, die Schweizer sind kein einfaches Völkchen, denn Schweizerisch hat mit Deutsch so viel zu tun, wie es Wasser braucht, um ein Feuer zu machen.
engl sagt:
Jul 01, 2006, 21:39, @861schweizer sprechen doch kein ‘hochdeutsch’, die sprechen ‘schriftdeutsch’! ich meine, wenn sie versuchen, sich im großen kanton verständlich zu machen.
Sandra-Lia sagt:
Jul 01, 2006, 21:41, @862Lol.. naja, irgend ne sprache
ehm.. ja, versuchen