Wegen eines Fehlers im zentralen Billettrechner stellen rund 200 von 1200 SBB-Automaten für bestimmte Strecken viel zu teure Tickets aus. Wie viele Automaten genau betroffen sind, wissen die SBB selber nicht genau.
Die «Sonntagszeitung» deckt in ihrer heutigen Ausgabe einen Computer- und Informations-Gau bei den SBB auf. Erstens: Eine Computerpanne verteuert die Ticketpreise bei rund einem Sechstel aller Automaten um bis zu 33 Prozent. Zweitens: Die SBB lassen die Kunden darüber im Dunkel und zocken so die Mehreinnahmen ab.
Betroffen sind Fahrgäste die Billette für Strecken lösen, die auf den Zürcher Bahnhöfen Oerlikon, Stadelhofen, Wiedikon, Stettbach, Enge, Seebach und Affoltern beginnen oder enden. Zudem muss der andere Ort in einer Distanz von zirka 68 bis 100 Tarifkilometern liegen.
Löst ein Kunde oder eine Kundin beispielsweise in Glarus, Sursee oder Sargans ein solches Billet, schlägt der Automat seit Anfang Juni zusätzliche 32 Tarifkilometer auf den Ticketpreis dazu.
Nicht nur Einzelbillette werden von den Automaten falsch berechnet. Auch Mehrfahrtenkarten, Gruppentickets und Steckenabos kosten plötzlich mehr. Die Panne erstreckt sich nicht nur auf die Automaten: Auch auf der SBB-Homepage kann man die überteuerten Tickets im Angebot finden. Schuld daran ist ein fehlerhaftes Sofware-Update des Zentralrechners bei den SBB.
Die Preisaufschläge liegen im Bereich von 20 bis 33 Prozent: So kostet beispielsweise ein Ticket von Zürich Enge nach St. Gallen 1. Klasse mit Halbtax satte 60 Franken anstatt bloss 47 Franken.
In der Geschichte der SBB sei es das erste Mal, dass ein solcher Fehler überhaupt auftrete, so Walter von Andrian, Chefredaktor der «Eisenbahn-Revue». Nicht verwunderlich findet Edwin Dutler vom Verband Pro Bahn: «Das Outsourcing der Informatik führt zu Qualitätsproblemen bei den SBB.»
SBB informiert Kunden nicht
Die SBB bedaurert laut Sprecherin Michèle Bamert zwar und kündigt an, dass bis zum 9. August die betroffenen Automaten umprogrammiert sein sollten und seit dem 16. Juli mit einem Warnhinweis versehen sind. Drei Stichproben der «Sonntagszeitung» ergaben aber das Gegenteil. An keinem der überprüften Automaten wird informiert.
Obwohl der Fehler also schon seit Anfang Juli bekannt ist, konnten sich die SBB nicht dazu durchringen die Öffentlichkeit umfassend zu informieren. Man gehe lieber «zielgruppenorientiert» vor, so Bamert. Wenn der Kunde also den überhöhten Fahrpreis bemerke, werde ihm das Geld zurückerstattet.
Strafrechtlich können Bahnbenutzer nicht gegen die SBB vorgehen: Obwohl die SBB wissentlich teurere Billete verkaufe, sind Strafbestände wie Betrug oder Veruntreuung nicht erfüllt.



















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