Sie ist nicht wirklich grün
Kanton Solothurn Zeitung
Sie ist nicht wirklich grün
Junge Grüne Transsexuelle Politikerin fliegt aus Kantonalvorstand
Sandra Lia Infanger findet einfach keine politische Heimat: Die Jungen Grünen des Kantons Solothurn haben die transsexuelle Politikerin aus Zuchwil aus dem Vorstand ausgeschlossen. Zuvor hatte sie schon Krach mit der SP und der Juso gehabt.
Giovanni Leardini
Irgendwie wills mit der Polit-Karriere von Sandra Lia Infanger nicht klappen – trotz der Geschlechtsumwandlung in diesem Sommer. Die Transsexuelle aus Zuchwil, die vor 25 Jahren als Adrian Thomas Infanger geboren wurde, ist jetzt auch noch aus dem Vorstand der Jungen Grünen des Kantons Solothurn geflogen. «Das bisherige Vorstandsmitglied Sandra Infanger wurde wegen grundlegender Differenzen in der politischen Ausrichtung sowie grosser Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit von der Mitgliederversammlung aus der Partei ausgeschlossen», teilte die Jungpartei am Mittwochabend mit. «Ich wusste bisher noch gar nichts vom Ausschluss», gab sich Infanger gestern auf Anfrage dieser Zeitung erstaunt.
Sie durfte nicht als Frau kandidieren
Ein weiteres Kapitel in der verkorksten Geschichte der jungen Politikerin. Im Sommer 2004 war sie aus Protest aus dem Vorstand der SP-Ortspartei ihrer damaligen Wohngemeinde Selzach ausgetreten. Damals hatte Infanger noch alle männlichen Attribute und durfte deshalb – so will es das Gesetz – nicht unter ihrem Frauennamen kandidieren. Aus dem gleichen Grund wurde der Transsexuellen die Kandidatur auf der Juso-Liste bei den Kantonsratswahlen vom Februar 2005 verweigert. Diesen Entscheid des Oberamtes Bucheggberg-Wasseramt hat Infanger zuerst vor Verwaltungsgericht und dann vor Bundesgericht angefochten – ohne Erfolg.
Diesen Sommer hat sie dann die Operation zur Geschlechtsumwandlung vorgenommen. «Das war der Hauptgrund, warum ich mich bei den Grünen nicht richtig engagieren konnte», erklärt Infanger. «Wir haben uns in gewisser Weise missbraucht gefühlt», sagt dagegen Christof Schauwecker, Co-Präsident der Jungen Grünen. Infanger sei wohl nur bei ihnen gewesen, weil sie vorher bei den anderen Parteien rausgeflogen ist. Das Wort «Notlösung» sei nicht ganz falsch, gibt Infanger zu. Sie habe sich bei den Grünen nie richtig wohl gefühlt: «Ich bin eher eine Linksliberale.»
Als Parteilose oder mit eigener Partei
Die Gründe für den Bruch mit den Jungen Grünen sind denn auch hauptsächlich bei der politischen Einstellung zu suchen. Dass Infanger gegen einen EU-Beitritt ist, 30 Prozent der Verwaltungsstellen abbauen würde und eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten befürwortet, sei doch eher eine «Einstellung à la SVP», so Schauwecker.
Infanger lässt sich durch die Rückschläge nicht entmutigen: «Ich mache nicht Politik für die Partei, sondern für die sozial schwächeren Menschen. Sonst hätte ich schon nach dem Krach mit der SP Selzach die Nase voll gehabt.» Ein Engagement bei der «elitären SP» kann sie sich nicht vorstellen, und auch mit der Juso sei «zu viel Geschirr zerschlagen worden». Also gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie macht als Parteilose weiter, oder sie gründet eine eigene Partei. «Das hätte den Vorteil, dass ich alle meine Standpunkte vorbehaltslos vertreten könnte, ohne einer Partei in den Rücken fallen zu müssen.» Ihr Ziel bleibt: «Ich will Kantonsrätin werden.» Zuerst will sie sich aber bei den Jungen Grünen genauer über den Rausschmiss informieren. «Ich werde wohl aus der Partei austreten. Aber nicht im Streit, wie damals bei der Juso…»
Ohne Partei Sandra Lia Infanger wird künftig als Parteilose auftreten oder eine eigene Partei gründen. ZVG
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